Eine Tour vom 21. bis 24. Mai 1994


Zwei Motorräder (Yamaha XS 900 und Kawasaki Z 650), zwei Fahrer (Diddi und Hufi), zwei Sozias (Iris und Ulrike)


Wo liegt dieser Lago Maggiore?

Entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten, Tagebuch zu führen, gibt es bei dieser Tour gar keine Aufzeichnungen!

Ich weiß nur noch, dass wir über den San Bernardino-Pass gefahren sind und dies eine der schönsten Motorrad-Rennstrecken war:
Die Autos quälten sich mit unendlicher Langsamkeit diese herrlich gewundene Strecke hinauf, und wir düsten wie durch einen überirdischen Traum mit einem Affenzahn auf der Überholspur an diesen Autoschlangen vorbei, wohl oft beneidet...

Auch weiß ich noch, dass wir nach dem Pass in schlechtes Wetter geraten waren und dieses uns kaum noch verlassen wollte; inklusive der kompletten Rückfahrt! Aber das war ja fast normal, wenn der Schlechtwetter-Donnerhuf mitfuhr...




Ankunft in LUINO, wo wir nach kurzer Suche ein kleines Sandsteinhotel im Jugenstil direkt am Ufer des Sees gefunden hatten. Halberfroren bezogen wir unsere Zimmer und zogen es vor, am heutigen Abend keine großen Ausflüge mehr zu machen: Auftauen und gut essen hatten Priorität!

                      




Am nächsten Morgen begrüßte uns der See mit einer solchen Herz erwärmenden Freundlichkeit, dass wir das spontan als Einladung betrachteten, den Lago auf seiner Oberfläche zu erkunden!

              


   
Flugs buchten wir an der in der Nähe gelegenen Stelle Tickets nach Locarno: von unserem in etwa der Mitte des Ufers gelegenen Domizil hinauf nach Norden, ans Ende des Lago Maggiore.

         



Die langsame Fahrt gestaltete sich recht gemütlich, und die Ausssicht auf die umliegenden Ufer kann nur mit einem Wort beschrieben werden: Donnerwetter!

          


                 



In der Warteschlange zur Rückfahrt gab es eine kleine Sensation: Ein Spatz flog piepsend an der Reihe entlang, offenbar nach Futter Ausschau haltend. Iris hielt ihre Hand hin, mit ein paar übrig gebliebenen Krümeln eines Kuchenstückchens, und der Spatz langte freudig zu! Jedoch versorgte er sich nicht selbst, sondern seine Nestlinge, die nicht weit entfernt warteten.

Ich hatte das dann auch versucht mit einigen abgebrochenen Krümeln meines Hanutas, (damals immer als Notration dabei), aber meine Opfergabe wurde verschmäht...

Nach dem zweiten Anflug an die Hand von Iris, die wohl wegen der roten Fingernägel wie ein Leuchtsignal in der Menschenreihe für das Spätzchen war, gab es allerdings nichts mehr: Krümel aus!

Herzerweichend die weiteren Versuche des Vögelchens, doch noch etwas zu ergattern: Es hüpfte an der inwischen dem Kassenhäuschen näher vorgerückten Menschenreihe auf dem Boden entlang und entdeckte schließlich die zuvor so spendable Frau mit den roten Nägeln! Piepsend saß das Federknäuel auf dem Boden vor Iris und bettelte nach weiteren Krümelchen... Szenen wie aus einem Schluchzfilm! Selbst die anderen Menschen um uns herum machten ganz ergriffene Gesichter... Auch dann noch, als Spätzlein es aufgeben hatte und davon flog.

        

                         




Rückfahrt nach Luino mit einem Tragflügelboot: Ein tolles Erlebnis, und rasend schnell!



Die Anlegestelle vom Hotelzimmer aus




Nach einem Flohmarkt-Bummel bei einem Ausflug in die Umgebung; diesmal gar bei gemäßigtem Wetter!

                     


Und wieder kein Regen bei einem Besuch der Museumsburg "Rocca Borromeo" in Angera!

         




Einige Ansichtskarten, die beweisen, dass das Wetter am Lago Maggiore und in der Umgebung auch richtig nett sein kann:

         



Foto-Shootings auf dem Parkplatz des Hotelchens
              


Zu einer spontanen Abendfete bei Iris und Diddi steuert Hufi Leckereien wie Hanuta, Tomate, Banane und Bockwurst bei, Ulrike findet irgendwo Plätzchen und Schokoriegel, vergraben in meinem Tankrucksack... Iris und Diddi hatten Orangen, Äpfel und mitteltrockene Kekse auf Lager, dazu noch einige Scheiben Salami:
Das war eine echt Sause! Mit viel Geblödel, was zu unserer Natur gehörte...

               



Abfahrbereit nach Hause!



Pausen auf dem Rückweg:

Niemals durch einen Tunnel, wenn es einen Weg über einen Pass gibt! Wo bliebe denn das Erlebnis? Auch, wenn das Wetter noch so bescheuert ist!

     



Auf der Heimreise noch kurz mal am Rheinfall bei Schaffhausen vorbei geschaut...

         



Danach ging es bei gräulichstem Wetter mit einem Eiltempo in Richtung Mannheim, was man eigentlich nur als Kamikazefahrt bezeichnen kann:

Regen und Kälte ohne Ende! Wir wollten nur noch Hause, sonst nix!

Wir rasten auf der Autobahn in die Dunkelheit hinein und bei strömenden Regen nur auf der äußerst linken Fahrspur, den Gashahn bis zum Anschlag geöffnet! Mein Mopped schaffte dabei 190 km/h, das von Diddi 210... Völlig unverantwortlich! Auch unverantwortlich, dass der schnellere Diddi in dieser jetzt stockdunklen Nacht davon zog: Ein Fahrteam hat immer ein Team zu bleiben, auch wenn das Zuhause nur noch rund 150 Kilometer entfernt liegt!

Ulrike war ungeheur tapfer; sie sagte kein Wort, als ich nochmal an einer Autobahnraststätte tanken musste, sondern klopfte mir nur aufmunternd auf die Schultern...

Eigentlich unfassbar, dass wir alle diese irrsinnige Raserei überstanden hatten!


Stellt Euch vor, wieviel Ihr sehen könnt, wenn Ihr nachts auf der Autobahn mit etwa 120 km/h im Auto unterwegs seid, und die Scheibenwischer kaum die Regenfluten bändigen können! Okay; dann schaltet die Wischer einfach mal aus.

Und ich raste mit vollbepackter Kawa und müder Sozia mit 190 auf den sonst nicht benutzten Überholspuren, ohne Scheibenwischer am Helmvisier und ungeachtet möglichen Aquaplanings!

Diese wahnsinnige, saudumme Fahrt haben wir aber gesund überstanden, wie Ihr seht.

Wie sonst könnte ich diesen kleinen Erlebnisbericht schreiben,  18 Jahre danach?